| Ein
Gemeinschaftsprojekt in der WeinKulturLandschaft
Mosel Ausgangslage
Der Bereich des früheren Höhenheiligtums auf
dem Calmont zählt zu den bedeutenden Stätten
aus keltischer und römischer Zeit an der Mosel.
Im Jahr 2005 legte das Landesamt für
Denkmalpflege, Abteilung Archäologie, Amt
Koblenz, eine zentrale Fläche des Heiligtums
frei, darunter die Fundamentmauern eines
gallorömischen Umgangstempels. Nach
Grabungsbefund bestand das Heiligtum vom 2. bis
zum späten 4. Jahrhundert, wobei der Schwerpunkt
in spätrömischer Zeit lag. Als Teil des
WeinKulturLandes Mosel und zur Inwertsetzung des
römischen Kulturerbes im Moseltal wird der
gallorömische Tempel auf dem Calmont zur Zeit
wiederaufgebaut. Dieses Projekt ist zugleich ein
Beitrag zur Straße der Römer.
Gallorömische Umgangstempel:
Form, Typ und Verbreitung
An höchster Stelle des Plateaus stand der
Haupttempel des spätantiken Höhenheiligtums,
ein sogenannter gallorömischer Umgangstempel. Zu
den charakteristischen Merkmalen dieses Bautyp
zählen insbesondere:
Der hohe Mittelbau auf quadratischem
Grundriss (ca. 4,00 m x 4,00 m), darin die
Cella (Innenraum), der Kern des
Heiligtums, wohl mit Altar ausgestattet.
Der offene Umgang unter Pultdächern,
getragen von Holz-Pfeilern.
Die relativ geringe Neigung der Dächer.
Hier: Die exponierte Lage mit Blick ins
Moseltal und auf den Petersberg.
Gallorömische Umgangstempel sind nur in den
ehemals von Kelten bewohnten römischen Provinzen
anzutreffen. Bis heute sind ca. 350 dieser Tempel
bekannt, wobei der Cella-Grundriss sowohl rund
als auch viereckig vorkommt. Am häufigsten
vertreten ist jedoch die viereckige Cella - so
auch die Grundrissform des Calmont-Tempels. In
der Region Mittelrhein/Mosel haben sich zwar
einige vergleichbare Tempelanlagen in Resten
erhalten, auf dem Martberg oberhalb von
Pommern/Karden sogar eine weit größere, jedoch
verfügt keine von diesen über einen Standort
mit solch atemberaubender Ausblicksqualität.
Hinzu kommen in direkter Nachbarschaft -
die gegenüberliegende römische
Höhenbefestigung auf dem Petersberg sowie die
Reste eines römischen Bauwerkes in der
Klosterruine Stuben, die zusammen quasi eine
römische Machtund Repräsentationslinie schräg
über das Moseltal bilden. Der Tempelanlage auf
dem Calmont kommt deshalb sowohl aus
archäologischer, kulturhistorischer als auch
touristischer Sicht eine besondere und
herausragende Bedeutung zu. Ob wie in
vielen Geschichtskarten dargestellt diese
drei Anlagen genau auf der Grenze zwischen den
römischen Provinzen Obergermanien und Belgica
liegen, scheint plausibel, bedarf aber noch einer
gesonderten Prüfung. Bis hin in die Eisenzeit
scheint es in Westeuropa keine überdachten
Kultanlagen gegeben zu haben, sondern nur heilige
Bezirke oder Haine. Unter mediterranem Einfluss
entwickelte sich zunächst in Süd- und
Mittelfrankreich innerhalb von umfriedeten
Heiligtümern eine Holzarchitektur, die mit einem
Dach wetterfest hergerichtet wurde. Im
nördlichen Bereich der keltischen Kulturen
lassen sich bislang kaum überdachte kultische
Anlagen innerhalb umfriedeter Haine fassen. Erst
in nachcaesarischer Zeit sind überdachte
Heiligtümer auch im nördlichen Bereich der
keltischen Kultur nachweisbar.
Der Ursprung des gallorömischen
Umgangstempels ist jedoch noch nicht geklärt.
Für den mediterranen Kulturraum kann dieser
Tempeltyp jedenfalls nicht nachgewiesen werden.
Es bleibt zu vermuten, dass die Form dieser
Umgangstempel aus den Bedürfnissen keltischer
Kultvorstellungen heraus unter dem Einfluss
mediterraner Tempelarchitektur entstand und
weiter entwickelt wurde. Die heute meist nur noch
im Fundament erhaltenen ebenerdigen Umgangstempel
unterschieden sich in ihrem Aussehen deutlich von
den klassischen Podiumtempeln, die sich mit
Stufen über das Gelände erheben.
Während die architektonische Erscheinung des
gallorömischen Umgangstempels in Grundform und
Variantenreichtum bekannt ist, bleiben die Fragen
nach dem religiösen Ritual und der Ausstattung
der Cella weitgehend unbeantwortet. Sicher ist,
dass in der Cella als zentralem Kultraum Abbilder
der verehrten Gottheiten standen und
Weihegeschenke deponiert wurden. Im Unterschied
zum christlichen Kult wurde der eigentliche
Gottesdienst jedoch nicht im Tempel selbst,
sondern an den außerhalb stehenden Altären
gefeiert. Die Gläubigen betraten das
Allerheiligste in der Regel nicht.
Durch die kleinen Fenster im oberen Teil des
hohen Kultraumes entsteht ein dämmeriges,
diffuses Licht, wodurch sich dieser Tempeltyp
deutlich unterscheidet von den fensterlosen
Tempeln aus römischer Zeit, wie sie im
Mittelmeerraum üblich waren. Dies dokumentiert
die kulturellen Unterschiede zwischen den
Regionen des Römischen Reiches, die auf den
jeweiligen Traditionen der einheimischen
Bevölkerung und ihrer spezifischen Aufnahme der
römischen Vorbilder beruhen.
Wiederaufbau des Tempels
Entsprechend denkmalpflegerischer Vorgabe wird
der Tempel an alter Stelle in den Ausmaßen der
freigelegten Fundamentmauern wieder aufgebaut:
Das Quadrat der Brüstungsmauern des
Umgangstempels beträgt 8,90 m x 8,90 m und
dasjenige der Cellamauern ca. 4,00 m x 4,00 m.
Nach Befund wird die Mauerstärke mit 0,60 m
ausgelegt. Die Höhe des Originalbaues wurde im
Analogieschluss auf vergleichbare Tempelbauten
mit maximal 7,00 m bis zum First des Satteldaches
festgesetzt. In den Wandabschnitten oberhalb der
Pultdächer erhält die Cella je 3 kleine Fenster
pro Seite, also insgesamt 12 Fenster. Die lichte
Öffnungsbreite des Portals der Cella misst 2,30
m und diejenige des Eingangs zum Umgang 2,00 m.
Beim Wiederaufbau folgen Materialwahl und
Farbgestaltung weitgehend dem Befund bzw. sind in
Abstimmung mit der Generaldirektion Kulturelles
Erbe, Archäologie, Koblenz, hieran angelehnt.
Lediglich die zu verputzenden und daher nicht
sichtbaren Steine des Mauerwerks weichen vom
Original ab: Hier wurden Bims-Hohlblocksteine
vermauert.
Straße der Römer
Mit der Rekonstruktion des gallorömischen
Umgangstempels und einer vorgesehenen
dokumentarischen Inszenierung des
Höhenheiligtums wird die Calmont-Region zu einem
der Höhepunkte des internationalen Projektes
Straße der Römer an der
Terrassenmosel werden. Nach Einschätzung des
Landesamtes für Denkmalpflege, Abteilung
Archäologie, Amt Koblenz, ist das gallorömische
Bergheiligtum auf der extrem steilen
Weinbergsfelsenlandschaft des Calmonts einmalig
in den nördlichen römischen Provinzen und somit
von überregionalem Interesse. Daher kommt der
Gesamtanlage mit der imposanten Aussicht und
insbesondere der geplanten Tempel-Rekonstruktion
aus archäologischer, kulturhistorischer und
ebenso aus touristischer Sicht eine sehr hohe
Bedeutung zu.
Eine Bedeutungssteigerung erfährt der
Tempelbezirk zum einen durch den Superlativ
gelegen auf dem steilsten Weinberg
Europas, zum anderen durch die Vernetzung
mit hochinteressanten Kulturwegen. Hierbei
handelt es sich um den Kulturweg
Calmont-KlosterStuben-Petersberg der
Gemeinden Bremm, Ediger-Eller und Neef und um den
im vorigen Jahr eröffneten Kulturweg der
Religionen der Gemeinde Ediger-Eller. Mit
dem Bergheiligtum und besonders dem Wiederaufbau
kann der Weg der Religionen neben dem Christentum
und Judentum auch die antike Religion thematisch
aufnehmen und anschaulich präsentieren.
Angebunden an die Mosel. Erlebis.Route, dem
Fernwanderweg zwischen Trier und Koblenz, soll
das Vorhaben auch das Image der Mosel insgesamt
weiter verbessern.
Bei der Nutzung des Tempels, dessen offener
Umgang auch als Wetterschutz dienen soll, wird
sich das Interesse an der römischen Geschichte
mit den spezifischen Eigenschaften des
Calmont-Terroirs verbinden. Vorgesehen sind u.
a.:
Qualifizierte Touristen-Führungen bis
hin zu Sonderveranstaltungen für die Fachwelt,
umfassende Themenwanderungen durch die
römische Geschichte der Calmont-Region mit dem
Tempel als Ziel- und Höhepunkt, damit verbunden:
Weinproben mit römischem
Imbiss in der wettergeschützten Cella
Insofern ist der rekonstruierte Tempel, der
als Bauwerk umgekehrt auch von der Mosel aus
gesehen werden kann, eine Kultur- und
Landschaftsmarke mit werbewirksamen Effekten, er
kann den Anschauungswert des römischen
Höhenheiligtums entscheidend vergrößern und er
bietet zugleich als Raum für Wein- und
Sektpräsentationen ein Ambiente mit
Marketingqualitäten auf international hohem
Niveau. Daher verfolgt die Rekonstruktion die
Zielsetzung, den Gestaltwert, den Geschichtswert
und zugleich den Gebrauchswert des gesamten
Tempelbezirks zu erhöhen und einen
entscheidenden Beitrag zu leisten, um
das Informations-, Erlebnis- und
Freizeitangebot entlang der Straße der Römer zu
vergrößern und zugleich
den Tourismus und ebenso die Gastronomie
nachhaltig zu entwickeln und in Wert zu setzen,
dabei Weinbau, Gastronomie und Tourismus
stärker zu vernetzen, somit auch
die steillagenbedingten
Wettbewerbsnachteile zu kompensieren und den
Weinbau im Calmont, dem steilsten Weinberg
Europas, langfristig zu sichern, dadurch
die Kulturlandschaft und das moseltypische
Landschaftsbild zu erhalten, zu pflegen und zu
entwickeln sowie
für die Region gemeinsam zu planen und
kooperativ zu handeln.
Als Teil dieser Kooperation wollen im Einklang
mit den Initiativen des Fördervereins Calmont-
Region e. V. und den Projektgemeinden bereits
jetzt vier private Betriebe künftig verstärkt
Themenwanderungen mit Gästeführern und
Weinerlebnisbegleitern, römischem Picknick und
Weinproben anbieten. Drei dieser Betriebe haben
an den Schulungen Antike schmecken
teilgenommen. Das Erlebnisgasthaus Christoffel
bietet schon heute entsprechende
Themenwanderungen zu den Römergräbern im
Nachbarort Nehren an. Der Förderverein
Calmont-Region e. V. hat zugesagt, sowohl die
Pflege, laufende Unterhaltung und Betreuung als
auch die Vermarktung der rekonstruierten
gallorömischen Tempelanlage zu übernehmen.
Durchführung
Der Wiederaufbau des Tempels auf dem Calmont
wird in Kooperation und Bauträgerschaft
realisiert durch die Ortsgemeinden Bremm und
Ediger-Eller, unterstützt durch
Verbandsgemeindeverwaltung Cochem-Land. Bei der
Durchführung werden die relevanten Institutionen
und Behörden mit einbezogen, hierzu zählen
neben der ADD Trier/Koblenz insbesondere das
Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum
Westerwald-Osteifel, die Landespflegebehörden
und die Bauverwaltung/Bauaufsicht. Im Ganzen wie
in den Details wird der Wiederaufbau begleitet
vom Landesamt für Denkmalpflege, Abteilung
Archäologie, Amt Koblenz. Projektleitung
Architektur: Büro Reitz und Partner und
Architekturbüro Franz Niespor. Zur weiteren
Betreuung, Nutzung und Vermarktung werden vor
allem Winzer, Gastronomen sowie der Förderverein
Calmont-Region in starkem Maße in die
Kooperation miteinbezogen.
Förderung
Die mit rd. 150.000 €uro veranschlagte
Rekonstruktion des gallorömischen Umgangstempels
wird vom Land Rheinland-Pfalz, Ministerium für
Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau,
aus FAG-Mitteln 2008 als einer der kulturellen
Höhepunkte der überregional konzipierten Straße
der Römer an der Terrassenmosel mit 70 %
bezuschusst.
Egbert Bremen
REITZ UND PARTNER
Floecksmühle, 12.9.2008
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