Wiederaufbau des gallorömischen Umgangstempels auf dem Calmont  
 
Rekonstruktion des ehemaligen Umgangstempels auf dem Calmont (Grafik von M.A Markus Meinen)
 
Grabung 2005: Freigelegte Fundamentmauern der Cella und des Umganges
 
Rohbau des neu errichteten Umgangstempels
 
Der Eingang zur Cella
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ein Gemeinschaftsprojekt in der WeinKulturLandschaft Mosel

Ausgangslage

Der Bereich des früheren Höhenheiligtums auf dem Calmont zählt zu den bedeutenden Stätten aus keltischer und römischer Zeit an der Mosel. Im Jahr 2005 legte das Landesamt für Denkmalpflege, Abteilung Archäologie, Amt Koblenz, eine zentrale Fläche des Heiligtums frei, darunter die Fundamentmauern eines gallorömischen Umgangstempels. Nach Grabungsbefund bestand das Heiligtum vom 2. bis zum späten 4. Jahrhundert, wobei der Schwerpunkt in spätrömischer Zeit lag. Als Teil des WeinKulturLandes Mosel und zur Inwertsetzung des römischen Kulturerbes im Moseltal wird der gallorömische Tempel auf dem Calmont zur Zeit wiederaufgebaut. Dieses Projekt ist zugleich ein Beitrag zur „Straße der Römer“.

Gallorömische Umgangstempel:
Form, Typ und Verbreitung

An höchster Stelle des Plateaus stand der Haupttempel des spätantiken Höhenheiligtums, ein sogenannter gallorömischer Umgangstempel. Zu den charakteristischen Merkmalen dieses Bautyp zählen insbesondere:

• Der hohe Mittelbau auf quadratischem Grundriss (ca. 4,00 m x 4,00 m), darin die
• Cella (Innenraum), der Kern des Heiligtums, wohl mit Altar ausgestattet.
• Der offene Umgang unter Pultdächern, getragen von Holz-Pfeilern.
• Die relativ geringe Neigung der Dächer.
• Hier: Die exponierte Lage mit Blick ins Moseltal und auf den Petersberg.

Gallorömische Umgangstempel sind nur in den ehemals von Kelten bewohnten römischen Provinzen anzutreffen. Bis heute sind ca. 350 dieser Tempel bekannt, wobei der Cella-Grundriss sowohl rund als auch viereckig vorkommt. Am häufigsten vertreten ist jedoch die viereckige Cella - so auch die Grundrissform des Calmont-Tempels. In der Region Mittelrhein/Mosel haben sich zwar einige vergleichbare Tempelanlagen in Resten erhalten, auf dem Martberg oberhalb von Pommern/Karden sogar eine weit größere, jedoch verfügt keine von diesen über einen Standort mit solch atemberaubender Ausblicksqualität. Hinzu kommen – in direkter Nachbarschaft - die gegenüberliegende römische Höhenbefestigung auf dem Petersberg sowie die Reste eines römischen Bauwerkes in der Klosterruine Stuben, die zusammen quasi eine römische Machtund Repräsentationslinie schräg über das Moseltal bilden. Der Tempelanlage auf dem Calmont kommt deshalb sowohl aus archäologischer, kulturhistorischer als auch touristischer Sicht eine besondere und herausragende Bedeutung zu. Ob – wie in vielen Geschichtskarten dargestellt – diese drei Anlagen genau auf der Grenze zwischen den römischen Provinzen Obergermanien und Belgica liegen, scheint plausibel, bedarf aber noch einer gesonderten Prüfung. Bis hin in die Eisenzeit scheint es in Westeuropa keine überdachten Kultanlagen gegeben zu haben, sondern nur heilige Bezirke oder Haine. Unter mediterranem Einfluss entwickelte sich zunächst in Süd- und Mittelfrankreich innerhalb von umfriedeten Heiligtümern eine Holzarchitektur, die mit einem Dach wetterfest hergerichtet wurde. Im nördlichen Bereich der keltischen Kulturen lassen sich bislang kaum überdachte kultische Anlagen innerhalb umfriedeter Haine fassen. Erst in nachcaesarischer Zeit sind überdachte Heiligtümer auch im nördlichen Bereich der keltischen Kultur nachweisbar.

Der Ursprung des gallorömischen Umgangstempels ist jedoch noch nicht geklärt. Für den mediterranen Kulturraum kann dieser Tempeltyp jedenfalls nicht nachgewiesen werden. Es bleibt zu vermuten, dass die Form dieser Umgangstempel aus den Bedürfnissen keltischer Kultvorstellungen heraus unter dem Einfluss mediterraner Tempelarchitektur entstand und weiter entwickelt wurde. Die heute meist nur noch im Fundament erhaltenen ebenerdigen Umgangstempel unterschieden sich in ihrem Aussehen deutlich von den klassischen Podiumtempeln, die sich mit Stufen über das Gelände erheben.

Während die architektonische Erscheinung des gallorömischen Umgangstempels in Grundform und Variantenreichtum bekannt ist, bleiben die Fragen nach dem religiösen Ritual und der Ausstattung der Cella weitgehend unbeantwortet. Sicher ist, dass in der Cella als zentralem Kultraum Abbilder der verehrten Gottheiten standen und Weihegeschenke deponiert wurden. Im Unterschied zum christlichen Kult wurde der eigentliche Gottesdienst jedoch nicht im Tempel selbst, sondern an den außerhalb stehenden Altären gefeiert. Die Gläubigen betraten das Allerheiligste in der Regel nicht.

Durch die kleinen Fenster im oberen Teil des hohen Kultraumes entsteht ein dämmeriges, diffuses Licht, wodurch sich dieser Tempeltyp deutlich unterscheidet von den fensterlosen Tempeln aus römischer Zeit, wie sie im Mittelmeerraum üblich waren. Dies dokumentiert die kulturellen Unterschiede zwischen den Regionen des Römischen Reiches, die auf den jeweiligen Traditionen der einheimischen Bevölkerung und ihrer spezifischen Aufnahme der römischen Vorbilder beruhen.

Wiederaufbau des Tempels

Entsprechend denkmalpflegerischer Vorgabe wird der Tempel an alter Stelle in den Ausmaßen der freigelegten Fundamentmauern wieder aufgebaut:

Das Quadrat der Brüstungsmauern des Umgangstempels beträgt 8,90 m x 8,90 m und dasjenige der Cellamauern ca. 4,00 m x 4,00 m. Nach Befund wird die Mauerstärke mit 0,60 m ausgelegt. Die Höhe des Originalbaues wurde im Analogieschluss auf vergleichbare Tempelbauten mit maximal 7,00 m bis zum First des Satteldaches festgesetzt. In den Wandabschnitten oberhalb der Pultdächer erhält die Cella je 3 kleine Fenster pro Seite, also insgesamt 12 Fenster. Die lichte Öffnungsbreite des Portals der Cella misst 2,30 m und diejenige des Eingangs zum Umgang 2,00 m.

Beim Wiederaufbau folgen Materialwahl und Farbgestaltung weitgehend dem Befund bzw. sind in Abstimmung mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe, Archäologie, Koblenz, hieran angelehnt. Lediglich die zu verputzenden und daher nicht sichtbaren Steine des Mauerwerks weichen vom Original ab: Hier wurden Bims-Hohlblocksteine vermauert.

Straße der Römer

Mit der Rekonstruktion des gallorömischen Umgangstempels und einer vorgesehenen dokumentarischen Inszenierung des Höhenheiligtums wird die Calmont-Region zu einem der Höhepunkte des internationalen Projektes „Straße der Römer“ an der Terrassenmosel werden. Nach Einschätzung des Landesamtes für Denkmalpflege, Abteilung Archäologie, Amt Koblenz, ist das gallorömische Bergheiligtum auf der extrem steilen Weinbergsfelsenlandschaft des Calmonts einmalig in den nördlichen römischen Provinzen und somit von überregionalem Interesse. Daher kommt der Gesamtanlage mit der imposanten Aussicht und insbesondere der geplanten Tempel-Rekonstruktion aus archäologischer, kulturhistorischer und ebenso aus touristischer Sicht eine sehr hohe Bedeutung zu.

Eine Bedeutungssteigerung erfährt der Tempelbezirk zum einen durch den Superlativ „ gelegen auf dem steilsten Weinberg Europas“, zum anderen durch die Vernetzung mit hochinteressanten Kulturwegen. Hierbei handelt es sich um den Kulturweg „Calmont-KlosterStuben-Petersberg“ der Gemeinden Bremm, Ediger-Eller und Neef und um den im vorigen Jahr eröffneten „Kulturweg der Religionen“ der Gemeinde Ediger-Eller. Mit dem Bergheiligtum und besonders dem Wiederaufbau kann der Weg der Religionen neben dem Christentum und Judentum auch die antike Religion thematisch aufnehmen und anschaulich präsentieren. Angebunden an die Mosel. Erlebis.Route, dem Fernwanderweg zwischen Trier und Koblenz, soll das Vorhaben auch das Image der Mosel insgesamt weiter verbessern.

Bei der Nutzung des Tempels, dessen offener Umgang auch als Wetterschutz dienen soll, wird sich das Interesse an der römischen Geschichte mit den spezifischen Eigenschaften des Calmont-Terroirs verbinden. Vorgesehen sind u. a.:

• Qualifizierte Touristen-Führungen bis hin zu Sonderveranstaltungen für die Fachwelt,
• umfassende Themenwanderungen durch die römische Geschichte der Calmont-Region mit dem Tempel als Ziel- und Höhepunkt, damit verbunden:
• Weinproben mit „römischem“ Imbiss in der wettergeschützten Cella

Insofern ist der rekonstruierte Tempel, der als Bauwerk umgekehrt auch von der Mosel aus gesehen werden kann, eine Kultur- und Landschaftsmarke mit werbewirksamen Effekten, er kann den Anschauungswert des römischen Höhenheiligtums entscheidend vergrößern und er bietet zugleich als Raum für Wein- und Sektpräsentationen ein Ambiente mit Marketingqualitäten auf international hohem Niveau. Daher verfolgt die Rekonstruktion die Zielsetzung, den Gestaltwert, den Geschichtswert und zugleich den Gebrauchswert des gesamten Tempelbezirks zu erhöhen und einen entscheidenden Beitrag zu leisten, um

• das Informations-, Erlebnis- und Freizeitangebot entlang der Straße der Römer zu vergrößern und zugleich
• den Tourismus und ebenso die Gastronomie nachhaltig zu entwickeln und in Wert zu setzen,
• dabei Weinbau, Gastronomie und Tourismus stärker zu vernetzen, somit auch
• die steillagenbedingten Wettbewerbsnachteile zu kompensieren und den Weinbau im Calmont, dem steilsten Weinberg Europas, langfristig zu sichern, dadurch
• die Kulturlandschaft und das moseltypische Landschaftsbild zu erhalten, zu pflegen und zu entwickeln sowie
• für die Region gemeinsam zu planen und kooperativ zu handeln.

Als Teil dieser Kooperation wollen im Einklang mit den Initiativen des Fördervereins Calmont- Region e. V. und den Projektgemeinden bereits jetzt vier private Betriebe künftig verstärkt Themenwanderungen mit Gästeführern und Weinerlebnisbegleitern, römischem Picknick und Weinproben anbieten. Drei dieser Betriebe haben an den Schulungen „Antike schmecken“ teilgenommen. Das Erlebnisgasthaus Christoffel bietet schon heute entsprechende Themenwanderungen zu den Römergräbern im Nachbarort Nehren an. Der Förderverein Calmont-Region e. V. hat zugesagt, sowohl die Pflege, laufende Unterhaltung und Betreuung als auch die Vermarktung der rekonstruierten gallorömischen Tempelanlage zu übernehmen.

Durchführung

Der Wiederaufbau des Tempels auf dem Calmont wird in Kooperation und Bauträgerschaft realisiert durch die Ortsgemeinden Bremm und Ediger-Eller, unterstützt durch Verbandsgemeindeverwaltung Cochem-Land. Bei der Durchführung werden die relevanten Institutionen und Behörden mit einbezogen, hierzu zählen neben der ADD Trier/Koblenz insbesondere das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Westerwald-Osteifel, die Landespflegebehörden und die Bauverwaltung/Bauaufsicht. Im Ganzen wie in den Details wird der Wiederaufbau begleitet vom Landesamt für Denkmalpflege, Abteilung Archäologie, Amt Koblenz. Projektleitung Architektur: Büro Reitz und Partner und Architekturbüro Franz Niespor. Zur weiteren Betreuung, Nutzung und Vermarktung werden vor allem Winzer, Gastronomen sowie der Förderverein Calmont-Region in starkem Maße in die Kooperation miteinbezogen.

Förderung

Die mit rd. 150.000 €uro veranschlagte Rekonstruktion des gallorömischen Umgangstempels wird vom Land Rheinland-Pfalz, Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, aus FAG-Mitteln 2008 als einer der kulturellen Höhepunkte der überregional konzipierten „Straße der Römer“ an der Terrassenmosel mit 70 % bezuschusst.

Egbert Bremen
REITZ UND PARTNER
Floecksmühle, 12.9.2008

 
     
 
Seiten der Region: calmont-mosel.de bremm.info ediger-eller.de neefmosel.de