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| Franz Josef
Blümling, 2005 |
"Stuba"
oder "Insula St.
Nicolai" |
"Stuba" oder
"Insula St. Nicolai"
Im Jahre 1137 wurde die
Stiftung
vom Trierer Erzbischof Albero bestätigt.
Das Kloster Stuben, in Urkunden auch
Stuba oder Insula St. Nicolai genannt,
lag auf einer zwischen Bremm und Eller
von der Mosel umflossenen schmalen
Landzunge, welche in den älteren
Schriften auch als eine Insel bezeichnet
wird. Von demselben ist heute nur noch
ein Teil der ehemaligen Kloster-Kirche
als malerische Ruine erhalten.
Bevor es das Kloster Stuben gab,
wohnte auf der Insula der reiche,
vornehme und fromme Mann Egelolf. Durch
besondere Fügung vermachte er ein
kleines Burghaus mit Kapelle und Hof,
Weingärten und sonstigen Besitz der
Kirche dergestalt, daß dort ein Kloster
erbaut wird, in welchem seine Tochter
Gisela mit anderen Jungfrauen und Witwen
aus dem Adel nach den Regeln des hl.
Augustinus den Schleier nahmen. Gisela
war die erste Meisterin.
Abt
Richard von Springiersbach, dem die
Stiftung zur Hut und weiteren Entwicklung
unterstellt wurde, leitete den Klosterbau
und liess mit den vorhandenen Mitteln
nebenan eine dem hl. Nikolaus geweihte
Kirche errichten. Die Stiftung
bestätigte der Trierer Erzbischof Albero
als Legat des Papstes Innocenz II. im
Jahre 1137. Gleichzeitig wurde bestimmt,
daß die Zahl der Nonnen auf höchstens
100 eingeschränkt ist. Diese
Einschränkung lässt erkennen, wie stark
in dieser Zeit der Andrang von Frauen des
Adels gewesen ist, in ein Kloster
einzutreten. Dies kann damit erklärt
werden, daß die Zahl der adeligen
Kämpfer aus dem Trierer Land, die in den
Kreuzzügen mitwirkten und nicht mehr
heimkehrten, gross war, wodurch viele
Adelstöchter unverheiratet blieben und
ins Kloster eintraten. Aus dem Neefer
Adel sind Aleyde von Sponheim und die
Meisterin Franziska von Metzenhausen als
Stubener Nonnen in den Annalen erwähnt.
Stuben lag im Neefer Gericht. So
traten die in Neef als Schultheiß
residierenden Grafen von Sponheim immer
wieder in Stubener Urkunden in
Erscheinung. Es kann vermutet werden,
daß diese Herren von Neef, die sich
übrigens auch an Kreuzzügen
beteiligten, Mitinitiatoren an der
Klostergründung waren.
Erzbischof Hillin bestätigte den
Vertrag, wonach der Abt von
Springiersbach für das Kloster Stuben
von der Abtei Arnstein a. d. Lahn
wertvollen Grundbesitz in Neef und Bremm,
der Arnstein zuvor als Gründungsgut
zufiel, für 80 Mark gekauft hatte.
Zur weiteren Verbesserung der
Wirtschaftlichkeit schenkte 1140
Erzbischof Albero Stuben die Kirche von
Neef nebst Gefälle und Einkünften. Es
war dies die gleichzeitig mit dem Kloster
erbaute Peterskapelle
auf dem Berge. Damit die Schenkung
stets in frischer Erinnerung bleibe,
machte Albero dem neueingesetzten Pfarrer
und seinen Nachfolgern zur Pflicht, an
bestimmten Festtagen mit dem Konvent zu
speisen, die Gesundheit des Bischofs
auszubringen und den Übertragungsakt
laut zu verlesen. Forthin hatte die
Kirchenhoheit über Neef das Kloster
Stuben, wo auch der Pfarrer für den Ort
wohnte. Die Neefer Bürger hatten für
seinen Unterhalt den Zehnten zu
entrichten, der zumeist in Abgaben von
Naturalien bestand, die im Stubener
Zehnthof in Neef zu entrichten waren. Die
bisherige Reichskirche, die im Ort
stehende Capellae der hl. Jungfrau von
Wraower, wurde aufgelöst. So standen
beachtliche landwirtschaftliche
Ländereien des recht begüterten
vormaligen ersten Gotteshauses für Neef
im Ortsbereich, aber auch in Bullay,
Bremm und Kastellaun zur Verteilung an.
Diese sprachen sich Graf Simon von
Sponheim und das Kloster Stuben je zur
Hälfte zu.
Auffallend viele Überlieferungen von
Neef und vom Kloster Stuben tragen die
Handschrift des bedeutenden Chronisten
Caesarius von Heisterbach. Caesarius war
Mönch im Kloster Heisterbach und
verweilte des öfteren als Visitator im
Schwester-Kloster Maria Laach, das
wiederum einen grossen Hof in Neef
besass. Diesen besuchte der Mönch
offensichtlich öfters, denn er berichtet
recht ausführlich von dortigen
Geschehnissen und auch von Vorfällen aus
dem Kloster Stuben.
Im Jahre 1208 erfolgte die Schenkung
des Ritters Heinrich von Ulmen mit dem Sanktuarium
des hl. Kreuzes, auch Staurothek genannt.
Zur Aufbewahrung und Verehrung dieser
bedeutenden Reliquie wurde eine neue
Kapelle gebaut. Erzbischof Heinrich von
Trier erteilte dem Kloster Stuben 1275
für den Neubau ein Ablassprivilegium.
Die Reliquien veranlassten einen grossen
Zulauf und brachten dem Kloster reiche
Opfer ein. In drei Sommermonaten des
ersten Jahres betrugen die milden Gaben
über 450 Goldgulden - eine gewiss damals
bedeutende Summe. Die Prozessionen der
Gemeinde Ediger-Eller zur Kreuzreliquie
fielen dadurch auf, daß sie nicht direkt
den Weg der Mosel entlang zum Kloster
führte, sondern über den Neefer
Petersberg, wo man zuerst den
Kirchenpatron Petrus
begrüßte, ging.
Einen Splitter von der bedeutenden
Reliquie erhielt die Kirchengemeinde von
Neef. Er wurde später in der sogenannten
Kusstafel, eine feine Silberarbeit aus
der niederländischen Spätrenaissance,
verwahrt. Die Reliquie wurde am Fest
Kreuzerhöhung zur Septemberkirmes
besonders verehrt - eine Tradition, die
sich noch lange fortsetzte. So ist es
erklärlich, daß die jetzige Pfarrkirche
1891 auf den Titel Kreuzerhöhung geweiht
wurde.
Erzbischof Balduin war ein besonderer
Freund von Stuben und pflegte auf seinen
Reisen zwischen Koblenz und Trier
gewöhnlich dort einzukehren. Er liess
die gefahrenvolle Uferpfade bei Stuben,
Bremm und Neef so erweitern, daß ein
bepacktes Pferd oder ein beladener Esel
passieren konnte, wo zuvor kaum ein
unbeladenes Pferd hatte geführt werden
können.
Erzbischof Cuno versuchte die
Einnahmen des Klosters dadurch zu
verbessern, daß er 1374 dem
Nonnenkloster das ausschliessliche Recht
des Weinzapfs auf der Neefer Kirmess
verlieh. Vermutlich war mit dem
Schankrecht die Gelegenheit gegeben
worden, auf der Kirchweih den Bauern den
Wein aus schlechten Jahrgängen, den die
Nonnen selbst verschmähten, gegen gutes
Geld loszuwerden.
Interessant ist auch eine weitere
Urkunde aus dem Jahre 1393. Der Neefer
Graf Johann von Sponheim hatte das Recht
des Klosters annulliert, mit vier Eseln
Brennholz aus dem Kondelwald zu holen und
ihm die dafür zu entrichtende Tonne
Heringe zu erlassen. Heringe hatten einen
besonderen Wert. Eine Tonne kostete zu
dieser Zeit 8 Gulden, während man für
eine Kuh 5 ½ Gulden bekam. Die Nonnen
konnten den Preis zum Kauf der Heringe
nicht mehr aufbringen.
Der Zehnte für den im Kloster
lebenden Kaplan für Neef bestand 1569
jährlich aus 2 Fuder Wein, 7 Malter
Korn, 4 Sester Hafer, 1 Sester Erbsen, 1
Sester Salz, 12 Wagen Holz und 3 Paar
Schuhe. Zu Anfang der Fasten erhielt der
Kaplan zusätzlich 50 Heringe, 4 Quart
Öl, 4 Quart geschmolzene Butter und
einmal in der Woche ½ Quart Hirse vor
etwa einen Pfannen Kuchen zu machen. An
Sonn- und Feiertagen wurde er vom Kloster
beköstigt, von dem er auch im Herbst 12
Sester Most und zu Neujahr 2 Lebkuchen
erhielt. Weiter hatte ihm der
Klosterbäcker das Brot zu backen und auf
dem Acker des Klosters durfte er ein
Schwein halten.
Durch eingebrachte Mitgifte
aufgenommener Nonnen, Vermächtnisse und
sonstigen Schenkungen vermehrte sich das
Vermögen des Klosters im Laufe der Jahre
erheblich. Fast in jedem Ort des gesamten
Umfeldes hatte das Kloster Güter
zumeist Weinberge. So war eigentlich die
Grundlage für eine stabile Wirtschaft
gegeben. Doch es erging dem Kloster in
den Unruhezeiten ab dem fünfzehnten
Jahrhundert immer übler. Zeiten,
Menschen und Sitten waren nicht zuletzt
wegen fortwährender Kriege anders
geworden. Im Kloster Stuben erschlaffte
die Ordenszucht. Das Gemeinschaftsleben
wurde vernachlässigt. Es herrschte
unterhalb der Mitschwestern Hass, Neid
und Zwietracht, so daß die gegenseitigen
Erbitterungen in Schmähungen ausarteten.
Einige Schwestern lebten in separaten
Wohnungen, stellten Mägde ein und
betrieben sogar eigene Viehhaltung. Es
bestand weder ein Dormitorium noch ein
gemeinsamer Speisetisch. Da es auch kein
Gästehaus gab, fanden Besuche in den
Privatwohnungen der Schwestern statt.
Fastenzeiten wurde vernachlässigt. Die
Nonnen trugen weltliche Kleider aus Samt
oder Seide und schweiften auf dem Lande
herum. Männer, namentlich die Ritter von
Arras, belagerten die Höfe des Klosters
und drangen in die Wohnungen ein. Es
bedurfte vieler Mühe, ja sogar der
Drohung des Kirchenbannes, um die Ritter
fernzuhalten. Zudem sammelten sich
Schulden über Schulden an. So konnte z.
B. eine Metzgerrechnung nur über eine
Spende bezahlt werden.
Schliesslich
musste Kurfürst
Clemens Wenzeslaus im Jahre 1788 das
Kloster schliessen. Die Pfarrei Neef
wurde wieder eigenständig. Mehr als 650
Jahre stand der Ort unter dem
zweifelhaften Schutz des Nonnenklosters,
welches nie den Ruf einer strengen
Ordenszucht genossen hatte. Der
Seelsorger für den Ort bezog 1794 ein
Pfarrhaus in Neef, das sich direkt
gegenüber der Matthiaskirche, die seit
1316 die Pfarrkirche für Neef war,
befand.
Der Altar in der Peterskapelle, die
heute als Friedhofskirche dient, stammt
aus dem Kloster Stuben. Er ist ein gut
aufgearbeitetes Werk der Spätrenaissance
aus der Mitte des 17 Jh.. In der Mitte
zeigt er ein Relief der Kreuzabnahme und
seitlich davon die Figuren des hl. Petrus
und Paulus. Darüber wird die
Auferstehung zwischen den hl. Sebastian
und Rochus dargestellt. Er hat unter
Kriegsschäden gelitten und wurde
zusätzlich beraubt, so daß heute einige
Altarfiguren fehlen.
| Literaturnachweise: |
| |
Beyer, Heinrich,
Urkundenbuch mittelrheinischer
Territorien
Blümling, Franz Josef, Die
Grafen von Sponheim in Neef,
Heimatbeilage der Rheinzeitung
März 2004, Nr. 3
Damitz, Karl von, Die Mosel
Goerz, Adam, Mittelrheinische
Regesten
Goerz, Adam, Regesten der
Erzbischöfe zu Trier
Günther, Wilhelm,
Urkundensammlung zur Geschichte
der Rhein- und Mosellande
Lorenzi
de, Phil., Beiträge zur Gesch.
sämtl. Pfarreien der Diözese
Trier, Reg. Bez. Coblenz
Lehfeldt,
Paul, Die Bau- und
Kunstdenkmäler des
Regierungsbezirks Coblenz
Kaufmann, Alexander, Wunderbare
und denkwürdige Geschichten des
Cäsarius von Heisterbach
Krings, Bruno, persönliches
Schreiben an den Autoren vom
10.08.1993
Mötsch Johannes, Schobel,
Martin, Eiflia Sacra, Studien zu
einer Klosterlanschaft
Pauly, Ferdinand, Siedlung und
Pfarroranisation im alten Bistum
Trier, Landkapitel Kaimt-Zell
Schannat,
Johann Friedrich, Eiflia
Illustrata
Schorn,
Carl, Eiflia Sacra
Vogts, Hans, Die Kunstdenkmäler
des Kreises Zell a.d. Mosel |
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