Geschichtliche Parallelen Geschichte und Anekdoten von Bremm und Kloster Stuben
W. Mayer, 1913 Petersberg und Kloster Stuben

Petersberg und Kloster Stuben

Peterskapelle  
Kloster  
     

Die Peterskapelle ...

Unweit des Moseldorfes Neef erhebt sich der Petersberg, auf dessen Höhe die Peterskapelle steht, um die sich der Neefer Gottesacker reiht. Unwillkürlich wird man hier an Uhlands „Kapelle“ erinnert.

„Droben stehet die Kapelle,
Schauet still ins Tal hinab.“
...
„Droben bringt man sie zu Grabe,
Die sich freuten in dem Tal.“

Die Peterskapelle grüßt fernhin auf die Fluten herab und der Schiffer, der kommt oder weiterzieht, blickt aus der Tiefe zu ihr hinauf. Die Sage erzählt die Entstehung derselben also:

In früheren Zeiten hatten die Neefer ihre Kirche unten im Tale, und dorthin begruben sie auch ihre Toten. Als die Kirche baufällig geworden war, beschlossen sie, eine neu zu errichten. Die Baumaterialien waren beschafft und rüstig wurde mit dem Werke angefangen. Die Dorfbewohner fanden zu ihrem Erstaunen des Morgens Steine und Holz auf der Höhe liegen; niemand wusste, wer die Sachen dorthin getragen hatte. Man stellte Wachen aus und diese sahen vom Himmel Engel herniederschweben und die Baumaterialien zur Höhe schaffen. Nun erkannte man den Wink, der von oben gegeben wurde und baute die Kapelle an jene Stelle, wo sie heute steht.

An dem Abhange des Petersberges soll Neef’s bester „Tropfen“, der „Frauenberger“, wachsen.

... und das Kloster

Der Petersberg nötigt die Mosel zu einer 3 Kilometer starken Krümmung, im grünen Wiesengrunde sieht man die Trümmer des ehemaligen Cistercienser Nonnenklosters „Stuben“. daßelbe wurde von einem gewissen Egelof, einem reichen und frommen Manne, zur Dotierung seiner Tochter Gisela, die Nonne geworden war, gegründet. Die Stiftung wurde 1137 von dem Erzbischof Albero von Trier genehmigt und gab er derselben 1140 die Kirche zu Neef und den Novalzehnten des Waldes Laer bei Düngenheim. Das Kloster wurde von Egelof und dem benachbarten Adel reichlich beschenkt. Der Abt von Springiersbach, unter dessen Schutz das Kloster stand, ließ neben demselben eine Kirche zu Ehren des hl. Nikolaus erbauen. Nach den Bestimmungen des Erzbischofs Albero sollte die Zahl der Klosterjungfrauen nicht mehr als hundert betragen. Von den Schenkungen des Adels sei das Sanktuarium des hl. Kreuzes erwähnt, welches Heinrich von Ulmen, welcher den vierten Kreuzzug mitmachte, dem Kloster schenkte. Dieses Sanktuarium, das berühmte Siegeskreuz der byzantinischen Kaiser Konstantin und Romanus, ein Meisterwerk der damals in Konstantinopel blühenden Emaillierkunst, wurde nach der Eroberung Konstantinopels nebst vielen anderen Reliquien mit nach Deutschland gebracht. Bei der Aufhebung des Klosters wurde dieser Reliquienschatz durch den Erzbischof und Kurfürst Clemens Wenzeslaus nach Trier in den Domschatz gebracht. Die bald einrückenden Franzosen raubten denselben. Später kam das Sanktuarium in die Hände des Herzogs von Nassau, der es 1827 dem Dom zu Limburg a. d. Lahn schenkte.

Trotz der vielen Schenkungen scheint in dem Kloster zu Anfang des 13. Jahrhunderts Notstand geherrscht zu haben, so daß Erzbischof Theodorich 1224 seine Diöcesanen zu milden Beiträgen für daßelbe aufforderte.

Wegen andauernder Missernten setzte Erzbischof Balduin am 29. August 1352 die Zahl der Chorjungfrauen auf 30 herab.

Um die Einnahmen des Klosters zu heben, gestattete Erzbischof Kuno am 9. September 1374 der Meisterin und dem Konvent des Klosters „Stuben uff der Inseln und nymand anders, uff die Kyrmesse dage daselbst zu verschenken und zu zappen.“ Im 15. Jahrhundert haben sich die Verhältnisse des Klosters wenig geändert, während sich im folgenden Jahrhundert seine Einkünfte mehrten.

Gegen die Mitte des 17. Jahrhunderts war die Klosterzucht zu Stuben ziemlich locker geworden. Abt Daniel von Springiersbach, der auf Befehl des Erzbischofs Richard eine Visitation vornahm, sah sich genötigt, die Satzungen zu verschärfen.

Die frühere Kirche, welche schon lange baufällig war, ließ die Meisterin Ottilie mit Erlaubnis des Erzbischofs Hugo von Trier abbrechen und an deren Stelle eine neue erbauen. Dieselbe wurde am 13. Oktober 1687 durch den Weihbischof Johann Philipp Burckardt geweiht.

Infolge schlechter Finanzwirtschaft wurde das Kloster 1788 durch den Kurfürsten von Trier aufgehoben und in ein freies Damenstift umgewandelt. Jedem Fräulein wurde eine Pension von 450 Gulden ausgesetzt. Beim Einrücken der Franzosen mussten die Stiftsfräulein flüchten und begaben sich meistens auf des rechte Rheinufer. Napoleon zog die Güter des Stifts an sich und die Flüchtigen litten Not.

Von den Klosterruinen stehen nur noch die Umfassungsmauern, welche traurig aus den frischen, lebensvollen Wiesen uns anblicken. Auch die süßen Klänge der Nachtigallen sind verstummt, die der hl. Bernhard aus der Umgebung des Klosters Himmerode hierhin sandte, damit sie die Jungfrauen erfreuen sollten.


Die Texte wurden vom Originaldokument (mit evtl. Fehlern) übernommen, ohne Anpassung an die aktuelle deutsche Rechtschreibung. Aus dem Zeller Volksfreund vom 27. Mai 1913 von W. Mayer
Text zur Verfügung gestellt von Horst Werner, Zell (Barl)
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