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| Auch
vor ihrer Erweckung aus dem
Dornröschenschlaf... |
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| ...besaß
die Ruine einen gewissen
romantischen Charme. |
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| Römischer
Estrich links neben einer
ebenfalls römischen Grundmauer,
die quer zum freigelegten
Kreuzgang verläuft. |
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| Romanisches
und barockes Straßenpflaster vor
dem Haupteingang zum Kreuzgang.
Blick von Osten. |
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| Grundrissmauern
der Kreuzkapelle mit
klosterzeitlichen Nonnen- und
Rittergräbern im
Ausgrabungsbefund. Blick von
Osten. |
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Gegenüber
von Bremm befindet sich auf einer von der Mosel
umflossenen Landzunge, die Insula St. Nicolai
genannt wurde, das ehemalige Kloster Stuben mit
seiner eindrucksvollen Kirchenruine. Der
Gründung des Klosters lag die Schenkung des
Adligen Egelolf zugrunde, der seinen hiesigen Hof
mit Burghaus, Kapelle und Weingärten dem Abt
Richard I. von der Abtei Springiersbach gestiftet
hatte. 1137 wurde der Hof Egelolfs in ein
Augustinerinnenkloster für Jungfrauen und Witwen
adligen Standes unter Leitung der Abtei
Springiersbach umgewandelt. Erste Vorsteherin war
Egelolfs Tochter Gisela. Besondere Berühmtheit
erlangte das Kloster, das inzwischen weiter mit
Schenkungen und Privilegien ausgestattet worden
war, durch den Besitz der so genannten Stubener
Staurothek. Ritter Heinrich von Ulmen hatte die
Reliquienlade, die er nach der Ausplünderung des
christlichen Konstantinopels durch die
Kreuzritter 1204 als Beutestück mitgebracht
hatte, dem Kloster 1208 vermacht. Im Inneren der
Lade erscheint die Reliquie, das aus schmalen
Holzfragmenten vom Kreuze Christi
zusammengesetzte Doppelkreuz (griechisches
Patriarchenkreuz), das in Gold gefasst, mit
Perlen und Edelsteinen geschmückt und von Engeln
in Email umgeben ist. Ebenso kostbar ausgeführt
ist der Schiebedeckel der Lade mit den zwölf
Aposteln, gruppiert um den thronenden Christus.
1275 erhielt das Reliquiar im Kloster eine eigene
Kapelle. Über Jahrhunderte war für viele
Gläubige, so auch für Kaiser
Maximilian I. auf dem Weg nach Trier zum
großen Reichstag 1512, die verehrte Reliquie
Wallfahrtsziel, bis sie nach der Säkularisierung
des Klosters Stuben in die Schatzkammer des Domes
zu Limburg gelangte. Dort steht sie heute als
herausragendes Meisterwerk byzantinischer
Goldschmiedekunst des 10. Jahrhunderts im
Mittelpunkt des Domschatzes.
Gegen Ende des Mittelalters erfuhr das Kloster
Stuben einen wirtschaftlichen Niedergang. Dennoch
konnte man anstelle der baufällig gewordenen
romanischen Kirche zwischen 1685 und 1687 einen
neuen Kirchenbau errichten. Missstände und
gescheiterte Reformversuche führten jedoch zu
einer Verkleinerung und 1788 zu einer Umwandlung
des Klosters in ein freies adliges Damenstift.
1794 mussten die Stiftsdamen vor den
französischen Revolutionstruppen fliehen. Die
Güter des Klosters wurden eingezogen und die
noch brauchbaren Baureste schließlich 1820 auf
Abbruch verkauft. Heute stehen noch die
Außenmauern der barockzeitlichen Klosterkirche,
mit Ausnahme der Westfront. Es handelt sich um
einen einschiffigen, durch nachgotische
Detailformen gekennzeichneten Bau mit einer
lichten Breite von 10,40 m und einer Länge mit
Chor von 45 m.
Während einer notwendigen Sanierung der
Kirchenruine fanden in den Jahren 2001 und 2004
umfangreiche archäologische Ausgrabungen im
Bereich der Ruine statt. Neben den Fundamenten
der romanischen Klosterkirche und der
mittelalterlichen Burg des Egelolf wurden auch
mehrere Mauerzüge aus römischer Zeit und
frühmittelalterliche Siedlungsspuren freigelegt.
Die archäologischen Befunde bestätigen und
ergänzen erheblich die schriftlichen
Überlieferungen zur Baugeschichte des Platzes.
Bei den verschiedenen Neu- und Umbauten wurde
nicht nur das Abbruchmaterial wieder verwendet,
wie man an verbauten Kapitellen und Profilsteinen
erkennen kann, sondern immer wieder wurden auch
bestehende ältere Bauteile in die neueren
Überbauungen mit einbezogen. So steht die
Südmauer der barocken Kirchenruine (weiß) auf
den Fundamenten der romanischen Vorgängerkirche.
Offensichtlich war die romanische Kirche im
Ganzen etwas kleiner und schmaler. Das lassen die
Reste ihrer Fundamentmauern (blau) im Westen der
Ruine vor der nördlichen Längsmauer und der als
Apsis gedeutete Mauerzug im Chorbereich erkennen.
Den westlichen Abschluss der romanischen Kirche
bildete die dreischiffige Säulenhalle, deren
Innenraum etwa 1 m unter dem heutigen Bodenniveau
lag. Sie diente als Krypta und Untergeschoss für
die Nonnenempore. An die Nordseite der
romanischen Kirche lehnte sich vermutlich ein
kurzes Seitenschiff an. Außerhalb der
Kirchenruine auf der Südseite wurden Reste der
unterkellerten Klausurgebäude und westlich davon
der zur romanischen Kirche gehörige Kreuzgang,
möglicherweise mit einem Brunnenhaus an der
Ostseite des Innenhofes, angeschnitten. Vor dem
Osteingang des Kreuzganges zwischen den
Klausurgebäuden und der Kreuzkapelle wurden die
Überreste einer mehrfach ausgebesserten Straße
aufgedeckt die ehemals am rechten Moselufer
moselabwärts nach Senheim führte. Das aus
romanischer Zeit stammende Straßenpflaster
bestand aus einer Steinstickung mit hochkant
gestellten Schiefersteinen. Bei den Ausgrabungen
konnte auch die 1275 für die Staurothek erbaute
Kreuzkapelle freigelegt werden (braun), die an
die Südseite des Kirchenschiffes angrenzte und
auch später noch zusammen mit dem
barockzeitlichen Kirchenbau bestand. Sie war vom
Kircheninnern her zugänglich, und die Pilger
hatten direkten Zugang durch das so genannte
Laienportal an der Nordseite der barocken Kirche
gegenüber der Kapelle.
Aus vorklösterlicher Zeit wurden von der
mittelalterlichen Burg des Egelolf (grün) die
Grundmauern eines Turmes an der Westseite der
Kirche und die Apsis der Burgkapelle mit einem
Altarfundament neben der Kreuzkapelle in der
Kirche gefunden. Auch die dazwischen liegende
dreischiffige Halle war wahrscheinlich schon
Bestandteil der mittelalterlichen Burg. Die
Mauern der Halle waren auf ältere Fundamente aus
römischer Zeit (rot) gesetzt. Besonders in den
Raumecken und im Bereich der Säulenstellungen
hatten sich noch Spuren des römischen
Ziegelsplittestrichs erhalten. Ebenfalls mit
einem römischen Estrichboden ausgestattet war
ein Kellerraum unmittelbar vor der Südseite der
Kirche, aus dessen Verfüllung mit Bauschutt
Teile eines römischen Grabdenkmals, aber auch
Siedlungskeramik aus merowingischer Zeit stammen.
Weiteres, zum Teil massives römisches Mauerwerk
mit Mauerstärken von bis zu 2 m unter der
Kreuzkapelle sowie nördlich und südlich davon
und dazu mehrere Kleinfunde aus dem 4. Jh. n.
Chr. deuten hier auf ein erstaunlich wehrhaftes
Bauwerk hin, das in spät- römischer Zeit auf
der Landzunge der engen Bremmer Moselschleife
errichtet worden war.
Weitere gezielte archäologische
Untersuchungen sind in Stuben erforderlich, um
die verschiedenen neu aufgedeckten Baustrukturen
der Klosteranlage detaillierter deuten zu
können, zumal die archäologischen Befunde
schwer zu interpretieren sind, da sie durch die
Eingriffe in den Boden bei den mittelalterlichen
und neuzeitlichen Überbauungen und durch
zahlreiche Gräber aus klösterlicher Zeit stark
gestört wurden. Die freigelegten Befunde sollen,
soweit möglich, konserviert und zugänglich
gemacht werden, um die lange und wechselhafte
Geschichte des bedeutenden Klosters weiterhin vor
Ort zu vermitteln.
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