Geschichtliche Parallelen Geschichte und Anekdoten von Bremm und Kloster Stuben
Nik. Jos. Thome, 1926 Das ehemalige Kloster Stuben bei Bremm

Das ehemalige
Kloster Stuben bei Bremm

von Nik. Jos. Thome, 1926


Gründung des Klosters und die Lebensweise der Nonnen

Kommt man moselabwärts in die Schleife zwischen Neef und Eller, dann tauchen plötzlich Bremm gegenüber am rechten Moselufer die Umfassungsmauern einer verfallenen Kirche auf: es sind die Reste des ehemaligen Augustinerinnenklosters Stuben.

Vor etwa 800 Jahren stand an der Stelle, wo sich heute die Umfassungsmauern der früheren Kirche im klaren Wasser der Mosel wiederspiegeln, ein Landhaus mit Ökonomiegebäuden und einer Kapelle, welche einem frommen Edelmanne namens Egelolf gehörten. Gisela, sein einziges Kind, hatte sich in Verachtung der irdischen Dinge dem himmlischen Bräutigam vermählt und wünschte, hier an dieser Stelle ein von der Welt abgeschlossenes, gottgefälliges Leben führen zu können. Der Vater gab dazu seine Einwilligung und übergab sein Besitztum dem Abte Richard vom nahegelegenen Augustinerkloster Springiersbach mit der Bedingung, daß an die Stelle des Wohnhauses ein Kloster für Jungfrauen und Witwen errichtet würde. In alten Urkunden ist dieser Abt geschildert „als ein von Gott und Menschen geliebter Abt, dessen Andenken in ewige Zeiten gesegnet, dessen Frömmigkeit, Bescheidenheit und Sanftmut besser im Stillen bewundert, als würdig genug beschrieben werden könne...“ Er hat im Jahre 1107 das Augustinerkloster Springiersbach, im Jahre 1136 das Frauenkloster Marthental, im Jahre 1146 das Kloster Marienburg bei Alf gegründet, wird also mit Recht „Vater vieler Klöster“ genannt. Mit Genehmigung des Erzbischofs und Kurfürsten Albero zu Tier (1131 – 1152) als Legat des Papstes Innocenz II. wurde mit dem Bau des Klosters Stuben und einer Kirche im Jahre 1137 begonnen. Gisela, Egelolfs Tochter, wurde die erste Vorsteherin, auch Meisterin genannt. Albero bestimmte, daß die Zahl der Nonnen hundert nicht übersteigen dürfe; das Kloster muß also sehr geräumig gewesen sein, wie dies die Reste der noch vorfindlichen Grundmauern beweisen. Es durften nur Jungfrauen und Witwen aus adeligen Familien dort eintreten. Sie nannten sich: „Sorores de insula beati Nicolai in Stuppa“ (Schwestern auf der St. Nikolausinsel in Stuben). Die Schwestern lebten nach den Regeln des hl. Augustinus, waren also Augustinerinnen. Sie trugen ein weißes Kleid mit großem weißen Kragen, schwarzen Mantel und schwarzen Schleier und einen Rosenkranz am Gürtel.

Ihre tägliche Beschäftigung war folgende: Von morgens vor Sonnenaufgang hatten sie die kirchlichen Tageszeiten, die kanonischen Stunden, zu halten, d. h. in gewissen Stunden gemeinschaftliche Gebete zu verrichten, zu denen sie durch Glockenschlag zusammenberufen wurden. Nach der hl. Messe versammelten sie sich zum Kapitel; dort wurden die Regeln des hl. Augustinus vorgelesen und etwa vorgekommene Übertretungen gerügt. Bei der gemeinschaftlichen Mahlzeit wurde aus der hl Schrift, dem Leben der Heiligen oder einem Erbauungsbuche vorgelesen. Während des größten Teils des Tages mußte Stillschweigen beobachtet werden. Bei Sonnenuntergang ertönten Vesper und Komplet. Die übrige Zeit des Tages war der Arbeit gewidmet. Alle vorschriebenen Fast- und Abstinenztage wurden sehr streng gehalten. Der Abt Absalon von Springiersbach (1193 – 1196) erschärfte das Fasten und die Abstinenz und erließ die Vorschrift, daß nicht nur die Brüder seiner Genossenschaft, sonder auch die ihm unterstellten Frauenklöster, also auch Stuben, sich von jeglicher Fleischspeise zu enthalten hätten; während der Fastenzeit war sogar der Genuß von Milch und Butter untersagt. Erst am 4. März 1530 erhielten die Klosterfrauen von Stuben durch den Erzbischof Richard von Greiffenklau zu Trier (1511 – 1531) Dispens von diesen strengen Vorschriften. Dazu erlaubte dieser ihnen auch, „aus Ersparnis“ statt der weißen Röcke solche von schwarzer Farbe zu tragen.

Das Kloster Stuben stand immer unter der Aufsicht des Klosters Springiersbach, denn „Erzbischof Albero übertrug dem adeligen Konvent in Springiersbach die Sorge und Regierung über dieses neue erbaute adelige Frauenkloster durch ein sonderliches Patent.“ (Marx, Geschichte des Erzstiftes Trier). Den Gottesdienst und die übrige Seelsorge versah ein Prior, der von Springierbach geschickt wurde. Aus dem Jahre 1677 wird der Prior Johann Peter Scheidt genannt, der in seiner Behausung zu Ediger sein Vermögen dem Kloster Stuben verschenkte. Demnach scheint dieser in Ediger gewohnt zu haben.

Der Patron des Klosters Stuben war der hl. Nikolaus, der Patron der Schiffer, dessen Bild wir an der Mosel sehr häufig finden. Nach alten Moselbeschreibungen floß in früheren Jahrhunderten ein Arm der Mosel am Stubener Walde vorbei, so daß das Kloster auf einer Insel, Nikolausinsel genannt, stand. An dieser Stelle findet man heute noch bei Bearbeitung des Bodens Moselkies. Durch Hochwasser und andere Einflüsse hat sich die das Gelände im Laufe der Jahrhunderte so verändert, daß heute von diesem Arm kaum mehr etwas zu merken ist.

Stuben und die Peterskapelle

Auf dem an den Stubener Wald anstoßenden Petersberg findet man heute noch Rest von Ziegelsteinen mit römischen Inschriften, geschmolzenes Blei und andere Gegenstände, welche darauf schließen lassen, daß dort eine römische Niederlassung, ein Wachtposten und eine damit verbundene heidnisch Kultstätte war. Unter der Regierung des Erzbischofs Hillin zu Trier (1152 - 1169) wurde hier eine Kapelle zu Ehren des hl. Petrus (Petruskapelle) erbaut, welche Hillin dem Kloster Stuben schenkte, nachdem schon Albero demselben das Kirchenpatronat von Neef verliehen hatte. Vom Kloster aus wurde nun durch den Stubener Wald ein Verbindungsweg von 2 Kilometer Länge bis zur Petruskapelle angelegt, der heute noch besteht und an welchen in gleichen Abständen 7 noch gut erhaltene Stationshäuschen stehen. Um die Kapelle, die in den letzten Jahren durch fromme Wohltäter im Innern restauriert wurde, liegt der Friedhof der Pfarrgemeinde Neef. Wenn dort oben eine Beerdigung stattfindet, teilt das im Turme der Kapelle befindlich Glöckchen dies der ganzen Umgegend mit. Dann wird man so recht erinnert an Uhlands „Droben stehet die Kapelle...“ Der Petersberg mit seinem „Eulenköpfchen“ gilt als einer der schönsten Punkte an der Mosel und wird deshalb von Ausflüglern viel besucht.

Andere Schenkungen an das Kloster Stuben

Der Abt Richard von Springiersbach erwarb für das seiner Fürsorge unterstellte Kloster Stuben Güter zu Neef und Bremm, und nach dem Erzbischof Albero machten auch dessen Nachfolger Hillin, Arnold I. und Johann I. dem Kloster Schenkungen. Der Ritter Heinrich von Ulmen, der um das Jahr 1208 lebte, schenkte dem Kloster eine jährliche Weinrente von Fuder zu St. Aldegund. Von den Rittern zu Ulmen erzählen die Urkunden, daß sie um diese Zeit große Güter in Aldegund besaßen. Im Jahre 1285 verkauften Goda, die Witwe des Winand Mönch zu Senheim und ihre Kinder, sowie Garsitius und Irmengard von Arras dem Kloster Stuben ihre Gülten und Renten zu Poltersdorf. Gülten waren Abgaben, die für frühere Leistungen auf einzelnen Gründstücken lasteten. Im Jahre 1292 schenkten Silbert von Ulmen und dessen Ehefrau Elisabeth dem Kloster Stuben ihren Schmitthof bei Alflen und einen jährlichen Zins von Ohm Wein zu St. Aldegund. Die Urkunde lautet in ihrer Übersetzung: „Ich und meine Frau Elisabeth verschenken dem Kloster Stuben auf der St. Nikolausinsel bei Bremm unsern bei Alflen gelegenen Hof, genannt Schmitthof, für ein jährliches Anniversarium für mein und meiner Frau ewiges Sehlenheil. Amen.“

1300 schenkte der reiche Ritter Karl von Monreal dem Kloster Stuben, in welchem seine Schwester sich als Nonne befand, Güter zu Poltersdorf. Die Nutznießung dieser Güter war der Schwester nur als Dote (Mitgift) bei ihrem Eintritt ins Kloster mitgegeben worden, die Güter sind nach ihrem Tode an ihn wieder zurückgefallen. Nun überließ er sie dem Kloster mit der Bedingung, daß für ihn und seine nächsten Angehörigen jährlich ein Anniversarium sollte gehalten werden. Außerdem schenkte er noch Güter zu Kloster Laach und den Zins von einem Wingert zu Valwig (1310). Cuno von Bettingen schenkte dem Kloster Güter zu Ernst (1316), Mechthildis von Cröv Güter zu Senheim u. a. Zudem erwarb sich das Kloster Weinberge zu Eller, Aldegund, Neef, Bremm, Senheim, Kornrenten in Polch, eine Mühle im Ellerbachtal u. a. m.

So erhielt das Kloster viele Schenkungen; auch brachten ohne Zweifel manche Nonnen, da sie nur aus den adeligen Familien stammten, bedeutendes Vermögen mit, sodaß es nach und nach zu einem umfangreichen Grundbesitz und großem Wohlstande gelangte. Während der ersten Jahrhunderte seines Bestehens wurden die auswärtigen Güter des Klosters verpachtet. Im 15. Jahrhundert aber wurde ein Lehensverband eingerichtet. Dies geht hervor aus einem Protokoll über eine Rechnungsrevision, welche der Abt Simon von Springiersbach im Jahre 1414 auf Albanustag abhielt, in welcher die Rückstände der Pächter und „Lehensmannen“ aufgeführt sind. Dann heißt es später: „Im 17 Jahrhundert kam zu den vorhandenen Lehngütern noch ein solches in Urschmitt. In dieser Gemeinde findet man heute noch Grenzsteine mit dem Hauszeichen des Klosters Stuben, das griechische Doppelkreuz.“

Karge und traurige Zeiten

Trotz des großen Reichtums hatte das Kloster Stuben auch recht karge und traurige Zeiten durchzumachen, wie aus nachstehenden Notizen zu ersehen ist: Erzbischof Theoderich II. zu Trier empfiehlt 1224 das Kloster allen Gläubigen seiner Erzdiözese zu milden Beiträgen, weil wegen Mangels an Lebensmitteln das Personal der dortigen Kirche nicht ernährt werden könne. 1225 sollte eine Kapelle zur Aufbewahrung und Verehrung der Reliquien erbaut werden; die Geistlichkeit wird von demselben Erzbischof zu Beiträgen aufgefordert. Erzbischof Balduin setzte durch Verordnung vom 29. August 1352 auf inständiges Bitten der Meisterin die Zahl der Nonnen auf 40, später auf 30 herab, weil wegen andauernder Missernten und anderer Ursachen der großen Zahl der Nonnen nicht mehr hinreichender Unterhalt gewährt werden konnte. Sein Nachfolger Boemund II. bestätigte dies 1354. Erzbischof Cuno II. von Falkenstein (1362 – 1388) suchte die Einnahmen des Klosters dadurch zu verbessern, daß er durch ein Breve vom 9. September 1374 der Meisterin und dem Konvente „des Klosters Stuben uff der Inseln und nymand anders gestattet, uff die Kirmesse Dage daselbst zu verschenken und zu zappen.“ Von dem Grafen von Sponheim hatte das Kloster die Vergünstigung erhalten, von Zeit zu Zeit mit 4 Eseln Brandholz aus dem Walde „Contal“, dem heutigen Kondelwald zwischen Bertrich und Springiersbach, nehmen zu dürfen. Dafür sollte das Kloster jedes Mal eine Tonne Heringe liefern. Das Kloster fand aber bei diesem Abkommen seine Rechung nicht, darum verzichtete es in Reil vor Schöffen und Gericht auf diese Berechtigung. Worüber genannter Graf im Jahre 1393 eine Urkunde ausstellte. Laut einem notariellen Akt vom 10. Mai 1537 mußte jede zur Meisterin gewählte Jungfrau dem Konvent 2 Fuder Wein aus der gemeinen Rente zur Steuer der Kleidung und außerdem jeder Jungfer ein Paar gedoppelte und ein Paar Sohlenschuhe geben. Wir haben schon früher gehört, daß Richard von Greiffenklau den Nonnen erlaubte, „aus Ersparnis“ statt der weißen Röcke solche von schwarzer Farbe zu tragen.

Durch den dreißigjährigen Krieg und andere unruhige Kriegszeiten hatte das Kloster viel zu leiden. Die Schwestern mußten öfters flüchten; dadurch gingen Wohlstand, klösterliche Zucht und die Ruhe und Ordnung des klösterlichen Lebens verloren. Unzufriedenheit und Zwistigkeiten unter den Nonnen zogen ein. Dies geht hervor aus den vom Abt Daniel zu Springiersbach am 10. August 1640 verfaßten, in alter Kopie im Archiv zu Coblenz noch vorhandenen Vorschriften, die er nach einer vorgenommenen Revision erließ. Laut dieser Statuten „sollen die Nonnen pünktlich bei Tisch erscheinen, keine Jungfrau soll eine eigene Magd und eigenes Vieh halten, sie sollen ihre geistliche Kleidung nach der Klosterregel tragen; der Meisterin sei Reverenz, Ehre und Gehorsam zu leisten, ohne Vorwissen und Erlaubnis der Meisterin dürfe keine Nonne während des Tages außerhalb der Klausur gehen. Diese Statuten sollen jedes Jahr zur Nachachtung vorgelesen werden." Wenn man bedenkt, daß eine Einschärfung der Regel von Zeit zu Zeit notwendig war. In solchen traurigen Zeiten war es auch schwierig, die Finanzwirtschaft haushälterisch zu führen. Als die letzte Meisterin, Maria Ferdinanda von Maffay de la Serra, dem Kloster 100 Taler schenkte für 12 hl. Messen in der Kreuzkapelle, mußte dieses Geld dem Metzger als Abschlagszahlung für geliefertes Fleisch gegeben werden.

Bau einer neuen Kirche

Um das Jahr 1685 waren die bis dahin benutzte Kirche und die daran angebaute Kapelle (Kreuzkapelle) baufällig geworden und zur Aufbewahrung und Verehrung der wertvollen Reliquien nicht mehr geeignet.


Reste der Kreuzkapelle, in der die Staurothek 580 Jahre lang aufbewahrt wurde

Die damalige ausgezeichnete Meisterin Ottilia Anna von Ahr erbat und erhielt von Erzbischof Johann Hugo zu Trier (1676 - 1711) die Erlaubnis zum Neubau einer Kirche und Kapelle. 1687 waren beide fertig und wurden am 14. Oktober desselben Jahres vom Weihbischof Johann Philipp Burkardt nebst drei Altären und zwei Altären im Nonnenchor geweiht. Nach den heute noch stehenden Umfassungsmauern zu urteilen, war die Kirche im Innern 47 m lang und 13 m breit, Erzbischof Hugo verschaffte ihr ein Ablaßprivilegium; deshalb kamen von der Zeit an die Wallfahrer von weit und breit herzu zur Verehrung des hl. Nikolaus, welcher der Patron der neuen Kirche war, und besonders einer Partikel vom hl. Kreuze Christi. Von der später noch die Rede sein wird. Die Opfergaben der Pilger waren für das Kloster eine bedeutende Einnahme. Als Kaiser Maximilian I. im Jahre 1512 die Mosel hinunterfuhr, hielt er sich 1 Tage im Kloster Stuben auf. Erzbischof Balduin pflegte auf seinen Moselfahrten nach Coblenz dort einzukehren.

Eine Partikel des hl. Kreuzes in Stuben

Der Ritter Heinrich von Ulmen machte den vierten Kreuzzug mit und eroberte bei der Erstürmung Konstantinopels 1204 ein wertvolles Sanktuarium. daßelbe bildet eine Kapsel mit Deckel, 47 cm lang und 42 cm breit und der untere Querbalken 22 cm lang. Dieses Kreuz ist von brauner Farbe und in Gold eingefaßt. Außerdem enthält das Sanktuarium viele Reliquien unter goldnen Platten und eine Menge der kostbarsten Edelsteine, die bald (je 7) einen Ring, bald (je 9) eine römische Fünf bilden. Die äußeren Randseiten und die innere Rückenwand sind mit Sprüchen in jambischem Versmaß in griechischer Schrift beschrieben. Der Jesuitenpater Christoph Brower zu Trier († 1617) hat das ganze Sanktuarium genau beschrieben und die Inschriften ins Lateinische übersetzt. Er nennt es ein byzantisches Wunderwerk von unendlichem Werte. Eine Abbildung derselben findet man in „Die katholische Kirche in Deutschland“ von P. M. Baumgarten und J. Schlecht (Seite 87). Ritter Heinrich schenkte dieses dem Kloster Stuben; die Schenkungsurkunde ist ausgestellt am Vorabende des St. Laurentiusfestes 1208 und findet sich abgedruckt bei Günther. Heinrich beginnt sie mit den Worten: „Zu seinem Glücke besitzt irdische Schätze, wer vermittels derselben ewige zu gewinnen trachtet.“ Er nennt das Sanktuarium „einen Schatz, der weit über alle Besitzungen hinaus seinem Herzen der allerliebste“ sei, - er schenkt den Schatz aber „zum Heile seiner Seele und der Seele seiner Gattin Irmgardis“ – mit der Bedingung, daß derselbe von dem Kloster nie veräußert oder auch nur verpfändet werden solle. Dort wurde er jedenfalls in der Kapelle aufbewahrt, daher die Bezeichnung „Kreuzkapelle“. Im Laufe der Jahrhunderte musste dieses Heiligtum in unruhigen, kriegerischen Zeiten von Stuben fortgeschafft und in Sicherheit gebracht werden. Es befinden sich in demselben Goldplättchen verschiedenen Alters, aus deren Inschriften sich schließen lässt, daß es längere Zeit im Kloster Laach aufbewahrt wurde, und daß der jeweilige Abt zum Andenken an seine Regierungszeit ein Plättchen einfügen ließ. Bei Aufhebung des Klosters Stuben wurde das Sanktuarium nach Limburg a. d. Lahn geschafft und dem dortigen Domschatz einverleibt, wo es sich heute noch befindet. Im Oktober 1908 war es bei Gelegenheit einer Generalversammlung der Görresgesellschaft zu Limburg mit dem übrigen Domschatz ausgestellt. Außer der schon erwähnten Beschreibung von Brower ist noch eine andere abgedruckt im 2. Heft der „Mitteilungen des historisch-archäologischen Vereins der Diözese Trier“, und in der „Geschichte des Erzstifts Trier von Marx“ wird eine wunderbare Begebenheit erzählt, welche sich mit einer Reliquie der Dornenkrone des Heilandes zugetragen hat. Das griechische Kreuz wurde das Hauszeichen des Klosters Stuben; man findet es noch auf Grenzsteinen der früher dem Kloster zugehörigen Ländereien und Waldungen, an den Überresten einer alten Kelter und an der Einfassung einer Haustür in Bremm und an einer alten, schön geschnitzten Tür in Eller.

Die Aufhebung des Klosters Stuben

Es ist schon erwähnt worden, daß durch den dreißigjährigen Krieg und spätere kriegerische Unruhen der Wohlstand des Klosters und die Zucht und Ordnung in demselben sehr gesunken waren, und daß infolgedessen die Finanzwirtschaft nicht haushälterisch geführt werden konnte. Der letzte Kurfürst zu Trier, Clemens Wenzeslaus, gab im Jahre 1780 dem vorgesetzten Abte zu Springiersbach die Weisung, sofort schließen zu lassen und den Nonnen die Spaziergänge zu ihren Verwandten zu untersagen. In der Zeit von 1784 bis 1788 ließ er das Kloster zweimal bezüglich seiner finanziellen Verwaltung revidieren, und da diese Revisionen ungünstig ausfielen, kam er zu dem Entschluß, daßelbe in ein freies Damenstift umzuwandeln, in welchem „die Nonnen nicht mehr zu Residenz verpflichtet waren“, es erhielt jedes Fräulein 450 Florin als jährliche Pension. Bei der Aufhebung waren im Kloster außer der schon genannten Meisterin Maria Ferdinanda von Maffay de la Serra und der Priorin Maria Anna Freiin von Berg zu Dürfenthal, noch acht adelige Nonnen. Das war das Ende des einst in so hoher Blüte stehenden Klosters Stuben. Bald nach der Aufhebung des Klosters wurde das ganze Erzstift Trier von den Franzosen in Besitz genommen. Die Güter, welche das Kloster auswärts besaß, wurden eingezogen und versteigert. Die Nonnen waren größtenteils auf die rechte Rheinseite geflüchtet und hatten alles Wertvolle mitgenommen. Im Jahre 1797 befahl die französische Regierung, daß die rechtsrheinisch wohnenden Ordensleute von den linksrheinischen Einkünften nichts bekommen sollten. Dadurch gerieten manche in Not, da das Kloster Stuben keine rechtsrheinischen Einkünfte besaß. Sie baten deshalb den nach Ehrenbreitstein geflüchteten Erzbischof Clemens Wenzeslaus, das nach Hanau gebrachte Silberzeug verkaufen zu dürfen, um nicht Not leiden zu müssen. Aus der alten Klosterkirche sind noch einige Altäre erhalten, von denen je einer in der Pfarrkirche zu Eller, Ernst und Urschmitt steht; ein vierter stand früher in der Kirche zu Bremm, wurde aber später verkauft und befindet sich heute im Provinzialmuseum in Bonn. Manche halten den Altar in der Peterskapelle auch für einen aus dem Kloster Stuben. Dieser Ansicht muß aber entschieden widersprochen werden, denn 1. hat man diese Kapelle sicher nicht ohne Altar aufgebaut und dem Kloster geschenkt, und 2. war ich wiederholt mit den Fachleuten dort oben, welche im Vergleich mit den oben genannten Altären feststellten, daß dieser Altar nie in der Klosterkirche gestanden hat. Die aus Schmiedeeisen hergestellte Kanzel aus der Klosterkirche mit der Jahreszahl 1663 wurde bei der Aufhebung des Klosters außerhalb neben der Türe der Pfarrkirche zu Bremm aufgestellt. Nach dem Wiederaufbau der Burg zu Cochem gegen Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde sie in der dortigen Schlosskapelle aufgestellt, wo sie heute noch zu sehen ist. Auch soll im Cochemer Schloss ein Feuerhahl (Feuerhaken) aus dem Stubener Kloster vorhanden sein mit der Inschrift:

Oldear Anna von Ahr, Frau Meisterin zu Stuben war,
hat mich bestallt und auch bezahlt als man 1659 zahlt.

Diese Ottilia Anna von Ahr wird als Meisterin von 1654 an genannt und sehr gerühmt.

Veräußerung der Klostergüter

Bei der Übernahme durch die Franzosen hatte das Kloster Besitzungen in Eller, Ediger, Neef, Bremm, Poltersdorf, Aldegund, Düngenheim, Eulgem, Gameln, Schmitt, Alflen, Urschmitt, welche für 79.882 Francs versteigert wurden; die Wiesen, Gärten und Äcker in der Nähe des Klosters, das sogenannte „Stubener Land“, wurden verpachtet mit Ausnahme des Stubener Waldes. Als im Jahre 1815 die Rheinprovinz zu Preußen kam, wurde das ganze Gut eine preußische Domäne. Der letzte Pachtvertrag, laut dessen die Güter auf 3, 6, 9 Jahre verpachtet waren, ist datiert vom 21. März 1815, die letzten Pächter waren Johann Peter Friedrichs und Peter Bartholomäus Gietzen in Eller. Als Bürge hat unterzeichnet Anton Schneck in Zell. Der Flächeninhalt des Gutes betrug 4 Hektar und die Pachtsumme 186 Taler 9 Sgr. gleich 558,90 Mark. Es standen 299 Obst- und Nussbäume darauf.

Durch Verordnung des königlichen Finanzministers zu Berlin vom 7. April 1819 mußten die Domänen-Grundstücke im Regierungsbezirk Coblenz veräußert werden. Das Gut beim Kloster Stuben wurde am 10. Juli 1820 in Zell, weil Bremm, Eller und Ediger damals zum Amt Zell gehörten, versteigert für 7.300 Taler gleich 21.900 Mark. Im Auftrage von 25 Teilnehmern aus Eller, Ediger, Bremm und Neef steigerten daßelbe an die Herren Kaspar Friedrichs und Peter Bartholomäus Gietzen in Eller und Thomas Löwen in Ediger. Die Pachtzeit ging erst mit dem Jahre 1824 zu Ende. Die Ansteigerer mussten bis dahin den Pächtern die Ländereien überlassen, dagegen mussten die Pächter das Pachtgeld an die Ansteigerer zahlen. Eine amtlich beglaubigte Abschrift dieses Versteigerungsprotokolls wird in einer Familie zu Eller aufbewahrt. Dieser sind die vorstehenden und nachfolgenden Angaben entnommen. Dieses Buch enthält genaue Vorschriften und Bedingungen welche die Ansteigerer in Betreff der Behandlung der Obstbäume, der Wege, der Fußpfade, des Brunnens, der sich an der unteren Spitze der Wiesen in der Nähe der heutigen Eisenbahnbrücke befand, zu beobachten hatten. Nachdem das Gut drei Wochen nach der Versteigerung den genannten Ansteigerern übergeben war, schritt man zur Teilung. Man bestellte zwei unparteiische Taxatoren von Bremm, Martin Pellenz und Jakob Unzen. Diese teilten das Gut zunächst in Abteilungen und begrenzten diese mit roten Sandsteinen, von denen man heute noch einzelne in den Wiesen findet. Jede Abteilung wurde in 14 Lose mit 28 Teilen geteilt, so daß ein ganzes Los zwei Teile oder des ganzen Gutes, Los ein Teil oder 1/28 des ganzen Gutes oder Los Teil oder 1/56 des ganzen Gutes betrug. Nachdem die einzelnen Lose taxiert und mit Schiefersteinen begrenzt waren, fand am 27. Januar 1821 die Verlosung unter die 25 Teilnehmer statt.

Das oben erwähnte Versteigerungsprotokoll enthält eine tabellarische Darstellung und Beschreibung der 13 Abteilungen und der ganzen Verlosung. Man ist dabei sehr genau und umständlich zu Werke gegangen. Der Wald ist, wie gesagt, damals nicht versteigert worden, sondern er ist bis heute Staatseigentum geblieben und steht unter dem Schutz des Gemeindeförsters zu Neef. Die Wiesen und Gärten sind heute größtenteils noch im Besitz der Nachkommen der Ansteigerer.

Überreste des Klosters Stuben

Nach dem Versteigerungsprotokoll gehört das Klostergemäuer zu der vierten Abteilung. Unter den Bedingungen zu dieser Abteilung finden wir folgende: „...3. muß einer den anderen 5 Jahre den vorfindlichen Schutt und Steine durch sein Land führen lassen, jedoch wo es sich tun läßt, muss jeder auf seinem Eigentum bleiben oder durch den gemeinschaftlichen Weg an die Mosel fahren; nach Verlauf obiger Zeit hört diese Verpflichtung auf.“ ...5. „Es wird dem Heinrich Henrici gestattet, das Gebäude, das Bandhaus genannt (wahrscheinlich Küferhaus), zwei Jahre von heute an, stehen zu lassen, ohne daß ihm jemand etwas daran beschädigen kann, nach Verlauf dieser Frist muss es aber weggeschafft sein.“ Demnach ist ein Teil der Klostergebäude von den Besitzern selbst abgebrochen worden, und was als Baumaterial noch brauchbar war, hat man als solches verwandt. An den Umfangsmauern der Kirche sieht man, daß alles brauchbare Bauwerk an Fenstern und Türen, die Sockel in der Kirche gewaltsam herausgebrochen sind.

Diese Mauerreste rufen uns zu: Hier war Jahrhunderte lang eine Stätte des Gebetes, des Gottesdienstes, der Abtötung und jeglicher Tugendübung. Hier sieht man aber auch den Verlauf des Irdischen: Aufbau und Zerstörung, Aufblühen und Verwelken, Entstehen und Vergehen! Sie sind ein Denkmal früherer Zeit und wert, daß man sie in ihrem heutigem Zustande der Nachwelt zu erhalten sucht und gegen jede Zerstörung in Schutz nimmt.


Die Texte wurden vom Originaldokument (mit evtl. Fehlern) übernommen, ohne Anpassung an die aktuelle deutsche Rechtschreibung. Aus dem "Heimatbuch des Kreises Cochem", Verlag Sesterhenn, Kaisersesch, 1926
Abbildungen: Rainer Pellenz, Bremm
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